„Jetzt bin ich nicht mehr ganz so einsam“

 
Ich bin alleinstehend, meine Frau ist vor vier Jahren gestorben. Wegen Corona war ich richtig isoliert. Sogar meine Tochter musste Abstand nehmen und mein Sohn, der in der Einliegerwohnung wohnt, kam nur am Wochenende heim und begegnete mir auf der Terrasse aus drei Meter Entfernung. Das war richtig schmerzhaft. Inzwischen bin ich zwei Mal geimpft und kann meine Kinder und Enkel wieder in die Arme nehmen.

Mir ist als Rentner oft langweilig. Doch ich habe mich nicht getraut, meine Telefonnummer in der Zeitung zu veröffentlichen, um Kontakte zu suchen, damit ich nicht noch mehr unseriöse Anrufe bekomme. Deshalb war ich sehr froh, über Retla e.V. einen Telefonengel zu finden. Mit ihm bin ich sehr verbunden und nicht mehr ganz so einsam. Wir sprechen über Gott und die Welt, über Politik und vieles mehr. Dadurch werde ich aus den düsteren Gedanken aufgeweckt, die ich immer habe, wenn ich vom Friedhof komme. Wir reden über ganz andere Themen. Ich habe manchmal ein schlechtes Gewissen, ihn so zu beanspruchen, weil er noch arbeitet. Aber er hat mich beruhigt – also geht es weiter. Darüber bin ich richtig froh.

A. B. (85),
Senior

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