Retla - Senioren Rikscha
Retla - Viele Senioren Rikscha
Retla - Senioren Rikscha Grüsst

Dem Alter davonfahren

Rikscha-Fahrten holen raus aus der Isolation, erfrischen Seele und Geist und machen nachhaltig glücklicher. Mithilfe von Retla und mit Ihrer Unterstützung soll es bald weitere Rikschas geben – damit das Leben auch im Alter bunt ist und Depressionen der Garaus gemacht wird.

Was für ein Bild – zwölf gut gelaunte Damen und Herren im fortgeschrittenen Alter rollen durch die Fürther Altstadt. Am Straßenrand bleiben immer wieder Passanten stehen, winken, fröhliche Gespräche entwickeln sich. »Das ist ein so schönes Gefühl, du hast Kontakt und bist irgendwie mittendrin,« sagt Helga Schmidt, 73, und fügt etwas leiser hinzu: »Sonst kommen wir ja gar nicht mehr aus unserem Heim.«

Die United Kiltrunners, seit 2015 ein eingetragener Verein, sind in unterschiedlichen Bereichen sozial engagiert. Die Idee, sich im Schottenrock zu engagieren, kommt über John McGurk, einen sehr aktiven schottischen Spendenläufer, der stets im Kilt rannte. Männer im Schottenrock fallen auf und damit auch ihre Ideen und Aktivitäten. Die Seniorinnen und Senioren werden aus dem Heim oder von zu Hause abgeholt und in momentan sechs vereinseigenen E-Rikschas durch Fürths Altstadt und Parkanlagen sowie zu besonderen Anlässen chauffiert. Zahlen muss niemand etwas. Der Verein hat inzwischen rund 30 Rikscha-Piloten ausgebildet, die Anzahl der Fahrten könnte somit verdoppelt werden. Doch Geld für neue Rikschas fehlt. Hier will Retla helfen. Drei- bis viermal pro Woche sind die sportlichen Fahrer für die älteren Herrschaften unterwegs, wann immer es Zeit und Wetter zulassen. Dass sie sehr nett sind, darin sind sich alle einig. Dass sie im schottischen Kilt unterwegs sind, teils mit witzigen Frisuren, bunten Haaren und bilderreichen Tattoos, finden die Mitfahrer, die ganz vorn quasi in der ersten Reihe sitzen, klasse.

Helga Schmidt ist schwere Diabetikerin, zu Fuß kommt sie nur einige Meter weit. Ihr Zimmer, das sind rund 25 gemütliche Quadratmeter und dennoch, über lange Stunden immer die gleichen vier Wände, das tut keinem gut. Zusätzlich quälen sie ein chronischer Husten und Depressionen. »Die Rikscha hilft mir so sehr, da komme ich endlich mal wieder an die Luft, und ganz oft fahren wir den Stadtpark hinunter. Da habe ich mal gewohnt.« Helga Schmidt freut sich wie alle anderen auf den nächsten Trip durch Fürth. »Danach bin ich doch viel fröhlicher, und zu reden haben wir dann auch viel mehr.«

Gute Laune macht schon das Zuschauen, wenn die bunte Reihe von Rikschas vorbeizieht. Immer mal wieder wird angehalten, eine kleine Brotzeit gibt es dann kostenlos oder Kaffee und auch mal ein Stück Kuchen. Ein jährlicher Fürther Höhepunkt ist die Michaelis-Kirchweih, ein Muss für jeden. Und dass auch die Senioren unbeschwert mitfeiern können, dafür sorgen die United Kiltrunners. Udo Schick, einer der Verantwortlichen der United Kiltrunners: »Die Schausteller unterstützen uns jedes Jahr. Wir bekommen alles umsonst und zahlen gar nichts, das ist so eine tolle Sache.«

»Ohne meinen Mercedes geht gar nichts mehr«, Helga Weißmann schmunzelt. Ihr Mercedes, der Rollator, steht in Griffweite. Eine Parkinson-Erkrankung macht der 81-Jährigen das Gehen ohne Hilfsmittel unmöglich, allzu oft ist sie schon gestürzt. »Wir haben schon eine Gaudi, bevor wir da einsteigen, in diese Rikscha. Und wenn wir zurückkommen, sind wir alle immer glücklich.«

»Einige«, so Udo Schick, »die oft dabei sind, die kennen jedes Schlagloch. Ich weiß, dass wir Menschen die Möglichkeit bieten, mal aus ihrem starren Eingesperrtsein auszubrechen und rauszukommen. Ich merke, welche Freude ihnen das macht, manch ein ältere Dame weint, wenn sie wieder mit dabei sein kann. Für mich ist das schon sehr bewegend, und wenn dann ein Lächeln über ihr Gesicht huscht, ist das ein großes Dankeschön.«

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